Die Geschichte der Loge

 

Die Loge Aufwärts zum Licht ist eine 1927 gegründete Freimaurerloge in Frankfurt am Main. Sie unterbrach 1935 zwangsweise ihre Arbeit und wurde 1947 wiedereröffnet.

Die Loge hat die Matrikelnummer 741 (No. 331 bis zu ihrer Stilllegung im Jahre 1935) und gehört der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ (GNML 3WK) in Berlin an.

 

Das Bijou

Bijou der Freimaurerloge Aufwärts zum Licht

Das Bijou der Freimaurerloge „Aufwärts zum Licht“

„Das Abzeichen wird am orange=blauen früheren Bande der Loge „Johann Wolfgang“ getragen. Ovale Form zeigt blauen Grund mit Gold umrandet (Farbe der Loge: Gold und Azur). Das Blau symbolisiert unsere weltumspannenden Ideale, vom Himmelslicht umstrahlt. Der Kelch ist ein Zeichen unserer Erdverbundenheit und unseres Erdenwallens. Er bietet dem Erdenpilger Leid und Freud. Die freischwebende Hostie versinnbildet das Göttliche im Menschen. Die ewige Sehnsucht des Menschenherzens nach Erkenntnis und Frieden schwingt sich als weiße Taube der Sonne, dem ewigen Quell allen Lichtes, zu.“
– Zitat aus der Festschrift zum 25-Jährigen Bestehen, 1953 –

 

Die Anfänge

Die Loge „Aufwärts zum Licht“ ging hervor aus der Loge „Johann Wolfgang zum flammenden Stern“ in Frankfurt am Main (erloschen in 1935[1]) . Diese bestand seit dem Jahre 1909 und gehörte als Tochterloge zur Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin

Restaurant "Zum Faust"

Faust-Restaurant, ca. 1935 / © Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main

Jede der drei altpreußischen christlichen Großlogen (Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“, Große Landesloge von Deutschland/Freimaurerorden und Royal-York zur Freundschaft) hatte in Frankfurt am Main jeweils eine Tochterloge.

Im Jahr 1926 entstanden Unstimmigkeiten, die dazu führten, dass in den ersten Monaten des Jahres 1927 insgesamt 17 Brüder, unter ihnen der Meister vom Stuhl und sein Stellvertreter, aus der Bauhütte ausschieden.[2]

 

Die Gründungszeit

Am 4. März 1927 kamen acht der ausgetretenen Brüder im Restaurant „Zum Faustam Schauspielhaus zusammen und beschlossen, sich regelmäßig wöchentlich zu treffen und möglichst bald, sobald sie stark genug dazu wären, eine neue Freimaurerloge zu gründen.

Festsaal des Logenhauses am Mozartplatz der Loge „Carl zum aufgehenden Licht“.

Das um Unterstützung gebetene Bundesdirektorium sagte seine Hilfe zu, und bereits am 24. Mai 1927 wurden die Beamten der zu gründenden Loge gewählt. Am 20. September 1927 gaben die Brüder der neuen Loge den Namen „Aufwärts zum Licht“, wählten das Logenheim und das Mitgliedszeichen und bestätigten zugleich Wilhelm Noelpp als Meister vom Stuhl. Die von der Großen National-Mutterloge erteilte Stiftungsurkunde trägt das Datum des 16. Dezember 1927.

Schließlich trafen sich 16 Gründungsmitglieder der neuen Loge am 8. Januar 1928 zur Lichteinbringung im Logenhaus der Loge „Carl zum aufgehenden Licht“ unter Teilnahme von über 250 Brüdern von mehr als 30 Logen aus vielen Teilen Deutschlands.

Gustav Stresemann, Friedensnobel-preisträger, Reichsaußenminister, Reichskanzler und Freimaurer; Ehrenmitglied der Loge „Aufwärts zum Licht“.

Der Freimaurer und damalige Reichsminister des Auswärtigen Gustav Stresemann, der bei der Vorbereitung der Logengründung behilflich war, wurde, wie auch der National-Großmeister der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“, Pfarrer Karl Habicht, zum Ehrenmitglied der neuen Loge ernannt.[3]

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Loge gut. Es entstanden ein reges Logenleben und ein intensiver Austausch mit anderen Frankfurter Logen.
Dies sollte sich jedoch bereits nach wenigen Jahren ändern.

Im November 1932 legte Wilhelm Noelpp den Meisterhammer nieder. Sein Nachfolger wurde Franz Bethke. Aber auch dieser gab sein Amt im April 1933 zurück, da er als Staatsbeamter Nachteile für sich befürchtete. Meister vom Stuhl wurde nun Paul Köhler. Er trat für seine Bauhütte ein und es gelang ihm, durch seinen Einsatz und sein Vorbild die Bruderschaft zusammenzuhalten.

Pfarrer Karl Habicht, National-Großmeister der Großen National-Mutterleroge "Zu den drei Weltkugeln" vor dem Kriege; Ehrenmitglied der Loge "Aufwärts zum Licht".

Pfarrer Karl Habicht, National-Großmeister der Großen National-Mutterleroge „Zu den drei Weltkugeln“ vor dem Kriege; Ehrenmitglied der Loge „Aufwärts zum Licht“.

Wie die gesamte Freimaurerei in Deutschland litt auch die Loge „Aufwärts zum Licht“ unter den Repressalien des NS Regimes. Im Juli 1934 wurde Bruder Köhler in „Schutzhaft“ der Geheimen Staatspolizei (GeStaPo) genommen und erst im September des Jahres wieder entlassen.

Einige Tage darauf wurde durch die GeStaPo das Archiv, die Bibliothek und das maurische Inventar der Johannisloge „Aufwärts zum Licht“ zur Sicherstellung beschlagnahmt.[4]
Teile der beschlagnahmten Dokumente finden sich nach Irrwegen heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz wieder[5]. Die gesamte Bibliothek sowie alle Inventargegenstände gingen verloren und als letztes Relikt gilt heute das Logensiegel von 1928.

Am 1. Juli 1935 musste die Bauhütte ihre Kerzen löschen.[6]

 

Die dunkle Zeit

Das Paulaner Thomasbäu in der Großen Bockenheimer Straße, Treffpunkt der Brüder in der dunklen Zeit.

In den Jahren des Verbotes durch die Nationalsozialisten trafen sich die treuen Brüder am Stammtisch im „Thomasbräu“ oder im Kegelclub „U.K.K.“ („Unsere Königliche Kunst“). Das Johannis- und Weihnachtsfest und die Geburtstage der Brüder wurden feierlich begangen, so dass der Kern stets fest zusammenhielt.[6]

 

Die Nachkriegszeit

ach dem Ende des zweiten Weltkriegs begannen auch in Frankfurt die Bemühungen, die alten Logen wieder zu eröffnen. Paul Köhler bemühte sich alsbald um eine Wiedereröffnung seiner alten Bauhütte. Seine Hoffnung setzte er auf die Unterstützung durch die in der amerikanischen Militärregierung tätigen Freimaurer und hatte auch Erfolg. Er wurde zum Vertrauensmann für alle freimaurerischen Fragen bestimmt und erreichte im Frühjahr 1947 die Lizenzierung der Frankfurter Logen.

MvSt Paul Köhler

Bruder Paul Köhler, Meister vom Stuhl und 2. zugeordneter Nationalgroßmeister nach dem Kriege.

Von den Logenhäusern in Frankfurt war nur ein einziges in der Finkenhofstraße, obwohl stark beschädigt, einigermaßen erhalten geblieben. Die Amerikanische Armee beschlagnahmte das Gebäude für militärische Zwecke, erlaubte aber amerikanischen und deutschen Logen die geeigneten Räume im Haus zu nutzen.

In Frankfurt konnte wieder freimaurerisch gearbeitet werden. Am 17. Juni 1947 wurde die Loge „Aufwärts zum Licht“ als erste Frankfurter Loge wiedereröffnet. Mehr als 70 Brüder verschiedener Logen waren zu diesem Zweck im notdürftig wiederhergestellten Logenhaus versammelt. [7]

Bereits im Jahr 1951 zählte die Loge über 100 Brüder und war damit die größte Loge in Frankfurt. Im Sommer diesen Jahres wurde Paul Köhler zum zweitzugeordneten National-Großmeister gewählt.

Das Siegel von 1928 der Freimaurerloge "Aufwärts zum Licht" in Frankfurt am Main.

Das Logeniegel von 1928.

Die maurerische Arbeit und das geistige Leben der Loge gelangte zu hoher Blüte. Unter der Leitung von Paul Köhler wurde 1950 die bis 1934 bestehende Schottenloge „Rhenana“ wiedereröffnet. Eine fruchtbare Arbeit in den Erkenntnisstufen konnte beginnen. Die erste Agape fand am 10.04.1952 statt.

Als die Loge die Vorbereitungen für das 25. Stiftungsfest traf, wurde ihr Meister vom Stuhl Köhler zu höherer Arbeit abberufen. Die vorgesehenen Festlichkeiten mussten abgesagt werden.[7]

Ort des Neubeginns der Freimaurerei in Frankfurt am Main nach dem Kriege: das Logenhaus Finkenhofstraße 17.

is 1958 konnte die Loge im Logenhaus der Johannisloge „Wilhelm zur Unsterblichkeit“ ihre Arbeiten durchführen. Die Loge wurde während dieser Zeit von Carl Wilke und Erich Halank geleitet. Danach fand die Loge im Logenhaus der Bauhütte „Zur Einigkeit“ ihre neue maurerische Heimat in der sie noch heute arbeitet.

Jedoch sollte sie beginnend mit den 1960er Jahren deutlich schrumpfen, als die Zahl der Neuaufnahmen die Abgänge nicht mehr ausgleichen konnte. In dieser schwierigen Zeit leitete Hans-Werner Schneider als Meister vom Stuhl die Geschicke der Loge. Von 1961 bis 1971 und 1976 bis 1979 führte er den Hammer der Loge und wurde für die Zeit von 1971 bis 1973 zum National-Großmeister der Großen National-Mutterloge gewählt. 1976 führte er als Großmeister die Vereinigte Großlogen von Deutschland (VGLvD) an.

 

Das neue Jahrtausend

ach Jahren der Stagnation in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren wurde eine Neuausrichtung der Loge und Anpassung an die sich verändernde Welt nötig. Die gesteigerte Präsenz im Internet und in den neuen Medien spielte hierbei zuletzt eine große Rolle. In der Folge ist die Loge „Aufwärts zum Licht“ wieder deutlich gewachsen. So hat sich die Zahl der Mitglieder in den 2010er Jahren beinahe verdoppelt. Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang das stark gewachsene Interesse junger Männer an der königlichen Kunst und die damit einhergehende spürbare Verjüngung der Bruderschaft.

Die heutige Heimat der Loge: Das Logenhaus der „Loge zur Einigkeit“ in der Kaiserstraße 37, Frankfurt am Main.

Wesentlicher Beitrag zum Logenleben war in den vergangen Jahren das Klausurwochenende. Seit 2003 versammeln sich die Brüder der Loge einmal im Jahr zu einem gemeinsamen Klausurwochenende, das mit maurerischen Vorträgen, Diskussionen und brüderlichen Gesprächen sowie einer Tafelloge gestaltet wird und die brüderliche Verbundenheit in der Loge fördert.

Die vergangenen Jahre wurden auch durch einen regen Austausch mit anderen Bauhütten geprägt. So besteht eine enge und andauernde Zusammenarbeit mit der Loge „Carl zum aufgehend Licht“ (CzaL). Beginnend mit der Logengründung im Jahr 1927, die im Logenhaus der Loge CzaL stattfand, besteht diese Verbindung bis heute und stellt ein hervorragendes Beispiel für gelebte Freimaurerei über Logengrenzen hinweg dar.

Eine Delegation der Loge „Aufwärts zum Licht“ nahm im Dezember 1989 in Budapest an der Lichteinbringung der ersten Großloge in Osteuropa nach dem Fall des eisernen Vorhangs teil. Eine enge freundschaftliche Beziehung besteht zur ältesten Loge der Welt, der „Mother Lodge of Scottland, Kilwinning No. 0“.

Die Brüder der Loge „Aufwärts zum Licht“ wirken regelmäßig an den gemeinsamen Arbeiten aller Frankfurter Logen mit. So ist es eine noch junge Tradition, das neue Maurerjahr mit einer gemeinsamen Tempelarbeit aller Frankfurter Logen zu beginnen. Eine der ersten dieser Arbeiten wurde von der Loge „Aufwärts zum Licht“ unter Teilnahme von über 120 Brüdern ausgerichtet.

Durch die gemeinsam mit der Loge „Carl zum aufgehenden Licht“ veranstalteten öffentlichen Gästeabende können seit einigen Jahren karitative Engagements finanziert werden, die Institutionen zugute kommen, wie der „integrativen Drogenhilfe e.V.“, „Stark gegen Krebs e. V.“, die Obdachlosenambulanz der Caritas, die Bahnhofsmission Frankfurt/Main oder auch „Freimauer helfen e.V.“.

  

Die Altstuhlmeister

  • 1928 – 1932 Wilhelm Noelpp
  • 1932 – 1933 Franz Bethke
  • 1933 – 1952 Paul Köhler,
    1951 – 1952 2. Zug. National-Großmeister der Großen National-Mutterloge
    „Zu den drei Weltkugeln“ (GNML 3WK)
  • 1952 – 1957 Carl Wilke
  • 1957 – 1958 Erich Halank
  • 1958 – 1960 Wilhelm Schmidtmann
  • 1960 – 1961 Alfred Rossow
  • 1961 – 1971 Hans-Werner Schneider,
    1971 – 1973 National-Großmeister der Großen National-Mutterloge
    „Zu den drei Weltkugeln“ (GNML 3WK)
    1976  Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD)
  • 1972 – 1977 Paul Leberecht Jordan
  • 1977 – 1979 Hans-Werner Schneider
  • 1979 – 1987 Rudi Brand
  • 1987 – 1999 Paul Leberecht Jordan
  • 1999 – 2005 Hans-Jürgen Senge
  • 2005 – 2007 Frank Dörr
  • 2007 – 2019 Hans-Jürgen Senge
  • seit 2019 Frank Dörr

 

Literatur

 

Einzelnachweise

  1. Festschrift zum 250. Stiftungsfest der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“. Manuskript, Berlin, S. 317.
  2. Karl Karsunky: Festschrift zum 25. Stiftungsfest der Loge „Aufwärts zum Licht“. Hrsg.: Freimaurerloge „Aufwärts zum Licht“. Manuskript, Frankfurt am Main Januar 1953, S. 7 bis 15.
  3. Fritz Dietrich: Festschrift zum 25. Stiftungsfest der Loge „Aufwärts zum Licht“. Hrsg.: Freimaurerloge „Aufwärts zum Licht“. Manuskript, Frankfurt am Main Januar 1953, S. 15 bis 18.
  4. Adolf Diamant: GESTAPO FRANKFURT AM MAIN, Zur Geschichte einer verbrecherischen Organisation in den Jahren 1933 – 1945; S. 60 ff., Selbstverlag Frankfurt am Main, ISBN 3-9800194-6-2 (ISBN-13: 9783980019460)
  5. Renate Edler, Elisabeth Schwarze: Die Freimaurerbestände im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz: Bd. 2. Tochterlogen. 1. Auflage. Peter Lang GmbH, Internationaler Verlag der Wissenschaften, ISBN 978-3-631-48396-1.
  6. Paul Köhler: Festschrift zum 25. Stiftungsfest der Loge „Aufwärts zum Licht“. Hrsg.: Freimaurerloge „Aufwärts zum Licht“. Manuskript, Frankfurt am Main Januar 1953, S. 19 bis 27.
  7. Hellmuth Kühtz: Festschrift zum 25. Stiftungsfest der Loge „Aufwärts zum Licht“. Hrsg.: Freimaurerloge „Aufwärts zum Licht“. Manuskript, Frankfurt am Main Januar 1953, S. 27 bis 59.